Montag, 16. Dezember 2013

привет!

St. Petersburg!

Ich hör mich immer wieder an wie eine alte Oma, aber "Kinder, wie die Zeit vergeht".
Wie ich schon berichtet habe, war ich in St. Petersburg. Was für eine Stadt! Ich dachte ja immer, die Leute spinnen, wenn sie sagen, dass Helsinki aussieht wie St. Petersburg. Hallo? Das ist Russland, das muss doch was völlig Anderes sein... Aber nein, da gibt es auch so schöne große gelbe Häuser mit weißen Säulen. Sieht quasi alles so aus wie die Uni in Helsinki :) Dazu kommen natürlich die klassischen, protzigen Gebäude, an die man gleich denkt, wenn man Russland hört.
Die Reise nach St. Petersburg war ein Abenteuer. Wir sind mit der Fähre von Helsinki gefahren, das heißt abends losfahren und morgens ankommen. Ganz praktisch, so spart man sich das Geld für ein Hotel und nutzt die Reisezeit. Auf dem Schiff wurde natürlich wieder Karaoke gesungen, aber das war alles nicht ganz so spektakulär wie auch den Schwedenschiffen (das Wort Schwedenschiff klingt auf deutsch irgendwie nicht so schön wie das finnische ruotsinlaiva). In St. Petersburg angekommen, haben wir dann versucht eine Stadttour zu machen, damit wir in der Kürze der Zeit auch so viel wie möglich sehen. Das war allerdings gar nicht so einfach, denn diese kyrillischen Buchstaben machen es unmöglich, einen Stadtplan zu lesen. Trotzdem hat das alles irgendwie geklappt und auch die Bustour war abenteuerlich. Unsere "Gruppe" bestand aus genau 4 Leuten: ein Fahrer, ein Guide, Katja und ich. Das war, genau wie die Fahrt im Shuttlebus, ein wenig gruselig, aber wir haben es überlebt. Man weiß ja nie, ob man nicht am Ende doch irgendwo in Sibirien landet?! Die Finnen haben im Allgemeinen ein nicht allzu positives Bild von Russland, sodass ich von mehreren Seiten gehört habe: "Waaaas? Ihr 2 Mädels fahrt alleine nach St. Petersburg? Wie gefährlich.". Letztendlich war es zwar sehr aufregend, aber wir sind gesund und munter wieder in Helsinki angekommen - ganz ohne Entführungen, Überfälle und korrupte Polizisten. Toll!

"I love Russia" ist vielleicht ein bisschen
übertrieben, aber Matroschkas finde ich klasse :) 

Der Winterpalast und strahlender Sonnenschein

Kitsch und Prunk - das muss Russland sein.



Lappland

Das nächste Ziel war Saariselkä, ganz im Norden von Finnland (siehe Karte). Das war ebenfalls ein Abenteuer. Ich weiß, im Umgang mit Superlativen ist Vorsicht geboten, aber an dieser Stelle wären sie alle angebracht. So schön :) Ein Highlight waren sicherlich die Polarlichter. Die standen auf meiner "Things to do before I die"- Liste relativ weit oben. Ich hab mir das alles zwar irgendwie noch spektakulärer vorgestellt, aber es war trotzdem sehr schön, das zu sehen. Um eine gute Aussicht zu haben, sind wir auf den Berg gegangen, von dem auch die Rodelstrecke abging. Was bei -30° natürlich eine prima Idee ist. Saariselkä wirbt im Übrigen damit, die längste Rodelstrecke Europas zu haben. Das Rodeln war fast noch spektakulärer als die Polarlichter, da es keine Beleuchtung gab und es im Dunkeln tatsächlich schwierig ist, Bäume rechtzeitig zu erkennen. Jetzt kommt wieder der alte Witz und die Erinnerung an meinen Schneemobilausflug vor 3 Jahren: "Josi macht gern mal Bäume in Lappland platt", aber dies'mal ist alles stehen geblieben. Trotzdem habe ich überall blaue Flecken von den nicht ganz so eleganten Bremsmanövern. Aber das gehört wohl dazu. 
Außerdem war ich im Polarmeer baden - uuuh yeah! Auf dem Weg nach Norwegen war es so kalt, dass ich mir ziemlich sicher war nirgendwo baden zu gehen. Bei gefühlten -85°C war es schon schwer die Handschuhe auszuziehen um ein Foto zu machen. Als wir dann aber dort ankamen, war es nicht mehr ganz so schlimm und zum Glück gab es ja die Sauna. Zuerst haben wir uns also in einer viel zu kleinen Sauna aufgewärmt (50 Leute gleichzeitig, das war nicht sooo entspannt, wie Sauna eigentlich sein sollte, aber gut) und dann ging es ab in den Fjord. Was für ein Erlebnis. Das kann ich echt empfehlen, danach hab ich mich wirklich gut gefühlt und war v.a. stolz, dass ich ins Wasser gerannt bin. Ein weiterer Punkt auf meiner Liste ist erledigt. Was nicht auf meiner Liste stand, aber trotzdem großen Spaß gemacht hat, ist das Schneeschuhwandern. Das ist relativ anstrengend aber wahnsinnig lustig. Am Anfang fühlt man sich mit den riesigen Schuhen, wie ein kleines Kind, was gerade laufen lernt, aber am Ende konnte ich damit sogar rennen. Wir sind durch den unberührten Schnee im Wald gewandert, das war einer von den Momenten, in denen man zur Ruhe kommt, in Gedanken versinkt und die unglaubliche Natur genießt. Auch das klingt wieder, als wäre ich 75, aber manchmal muss man auch altmodisch sein dürfen. Die Fotos können die Stimmung leider nicht mal ansatzweise rüberbringen, aber sie geben auf jeden Fall einen kleinen Einblick.


Die Etappen unserer Reise.

Weihnachtsmanndorf am Polarkreis

Polarmeer

Schneeschuhausflug in der Mittagssonne. (Polarnacht)

Eine Fahrt im Rentierschlitten.

Rodeln ist Beste.

Polarlichter.

Zu Besuch beim gruseligen Rentierzüchter.
Engel im Schnee.
Mascara war gestern. Frost ist der neue Trend.
Go your own way - mit diesen schuhen gar kein Problem. 



Das war jetzt nur in aller Kürze eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage. Es passiert hier so viel, dass ich leider nicht öfter dazu komme, hier etwas zu schreiben. Und morgen ist sogar schon mein letzter Tag hier. Das macht mich irgendwie traurig, denn die Zeit ist so schnell vergangen und es gibt noch so viele Dinge, die ich gern machen würde. Auch die Zeit in meiner Gastfamilie habe ich sehr genossen. Die Jungs sind ganz wehmütig und fragen oft nach, wann ich wieder komme. So süß sind die, das glaubt man gar nicht. Aber auch der Abschied von den anderen Austauschstudenten und Freunden fällt nicht leicht. Heute war sogar bei meinem Nachbarn eine kleine Überraschungs-/Abschiedsparty und gestern haben Oma und Opa zum Essen eingeladen, das macht's nicht unbedingt leichter übermorgen nach Hause zu fliegen. Aber dass das dazu gehört, wusste ich ja vorher. Zu Hause wartet ja die "echte" Familie und die "alten" Freunde, das ist ein Lichtblick :)
Das soll's auch für heute gewesen sein. Ich geh jetzt schlafen, um an meinem letzten Tag hier fit zu sein und werde mich das nächste Mal wohl aus Berlin zu Wort melden.
Bis dahin alles Liebe und, obwohl ich sowas immer alber finde, viele Grüße aus der "2. Heimat" :)

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